Baugeschichte

Der fürstliche Kapellmeister und sein bürgerliches Wohnhaus

Am 2. Mai 1766 kauft der Fürstlich Esterházysche Hofkapellmeister Joseph Haydn das Anwesen Klostergasse Nr. 82 – heute Joseph Haydngasse Nr. 21 –, das er und seine Frau Maria Anna Aloisia zwölfeinhalb Jahre lang bewohnen. Haydn wird beinahe auf den Tag genau fünf Jahre zuvor mit Kontrakt vom 1. Mai 1761 als Esterházyscher Vizekapellmeister angestellt. In den ersten fünf Jahren seiner Tätigkeit in Eisenstadt wohnten er und seine Frau in Untermiete in Eisenstadt. Zwei Monate vor dem Ankauf des Hauses, am 3. März 1766, stirbt der seit 1728 amtierende Hofkapellmeister Gregor Joseph Werner, und Haydn rückt an dessen Stelle nach.

In der "Convention und Verhaltens-Norma" (Haydns Dienstvertrag von 1761) ist unter Punkt 3 ausdrücklich die Mahnung enthalten, der Vizekapellmeister möge allzu große Familiarität mit seinen Untergebenen, "(...) gemeinschafft in essen, trincken, und anderen umgang vermeiden, um den ihme gebührenden RESPECT nicht zu vergeben (...)". Um so mehr glaubt der nunmehrige Kapellmeister Haydn, sich in der neuen Stellung eine selbständige Unterkunft leisten zu müssen, die auch nach außen hin die Position eines höheren fürstlichen Funktionärs widerspiegelt.

Das Haus Klostergasse Nr. 82, das Joseph Haydn von der Adlerwirtin Euphrosina Schleicher – Witwe des Mitglieds des Äußeren Rats Jakob Schleicher – kauft, trägt am Torbogen des Kellereingangs die Jahreszahl 1747 eingemeißelt. Die Jahreszahl gibt nicht das Datum der Errichtung des Gebäudes, sondern jenes der Vollendung der letzten Umbauphase vor Haydn wieder. Die Bausubstanz reicht, wie vor allem das im vorderen Hofteil 1974/75 freigelegte spätgotische Fenster belegt, bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Grundstücke der Klostergasse grenzen mit ihrer Rückseite an die nördliche Stadtmauer von Eisenstadt. Die Häuser sind mit ihren Innenhöfen jeweils paarweise einander zugekehrt und vorwiegend von Handwerkern und Beamten besiedelt.
Aus dem Eisenstädter Grundbuch von 1758 geht deutlich hervor, dass das Haus, das Haydn kauft, aus zwei Wohnungen, je einer pro Geschoß, besteht. Das Obergeschoß, das Haydn dann tatsächlich bewohnt, hat insgesamt fünf Zimmer einschließlich eines Vorzimmers ("Vor Sall, so klein"). Die Vorbesitzerin Euphrosina Schleicher, welche noch für ein Jahr das Wohnrecht behält, wohnt vermutlich in dieser Zeit in dem aus zwei Räumen bestehenden Erdgeschoß.
Dem Grundbuchsprotokoll kann man entnehmen, dass zwar die innenarchitektonische Disposition des Hauses mit dem heutigen Zustand übereinstimmt, das ursprüngliche Haus jedoch nur einen Teil des Komplexes ausmacht, wie er an die Nachwelt kommt. Der Querflügel (die zur Stadtmauer hin gelegenen drei Räume), der auch über die Treppe in der rechten Ecke des Hofes zu erreichen ist, wird erst im 19. Jahrhundert vom Folgebesitzer an Stelle der zur Haydns Zeit dort befindlichen Stallungen bzw. eines Heubodens angebaut.

Schließlich die "Hausgründe": Wie im Falle der meisten anderen Eisenstädter Hausbesitzer gehören zum Haus Klostergasse Nr. 82 grundbücherlich noch kleinere Weingärten und Äcker in der Umgebung der Stadt, darunter auch das an der Rückseite des ehemaligen Bürgerspitals gelegene "Kuchlgärtl beym oder hinter dem Spittal" mit Gartenhäuschen. Der noch bestehende und liebevoll gepflegte Küchengarten mit dem darin befindlichen Holzhäuschen ist heute ein touristischer Anziehungspunkt des historischen Eisenstadt.
Der Kauf des privaten Wohnhauses kann vom Ehepaar Haydn nicht von allzu langer Hand geplant gewesen sein. Haydn, der als Fürstlicher Kapellmeister zu dieser Zeit ein fixes Bareinkommen von rund 782 Gulden im Jahr bezieht, tut sich mit der Finanzierung keineswegs leicht. Der Kaufpreis wird mit etwa 1500 Gulden angenommen. Aus einer Eingabe an seinen Dienstherrn vom Herbst 1770 geht hervor, dass Haydn ein Darlehen von 400 Gulden aufnimmt. Des weiteren scheint er mit der Vorbesitzerin, Euphrosina Schleicher, die Abstattung des Kaufpreises in Raten zu je 350 Gulden jährlich bis 1768 vereinbart zu haben. Nach deren Tod im Jahre 1767 ist Haydn verlassenschaftsgerichtlich angehalten, den "noch restirenden Kauffschilling" von 700 Gulden zu begleichen. Um diese Barsumme kurzfristig aufzubringen, ist er gezwungen, bei seinem Schwiegervater – Johann Peter Keller, Perückenmacher in Wien – ein Darlehen in der Höhe von 500 Gulden aufzunehmen. Erst nach dessen Tod, 1778, kurz bevor er seinerseits sein Wohnhaus weiterverkauft, begleicht er dieses an dessen Erben.

Brände

Gerade in jenen zwölfeinhalb Jahren, als Haydn seine private Bleibe innerhalb der Stadtmauern hat, wird Eisenstadt von zwei großen Bränden heimgesucht. Am 2. August 1768 bricht in der Freistadt ein Brand aus, der volle zwei Tage dauert und besonders die Klostergasse in Mitleidenschaft zieht. In der ganzen Stadt bleiben nur die Stadtpfarrkirche St. Martin sowie 19 Häuser verschont. Der Gesamtschaden an Haydns Haus wird vom Eisenstädter Magistrat inklusive aller Materialien, Arbeiten und Verlust an persönlichen Gütern mit insgesamt 1148 Gulden 27 Kreuzern beziffert. Haydn wäre zu diesem Zeitpunkt ein ruinierter Mann, würde nicht Fürst Nikolaus das Haus seines Kapellmeisters auf Kosten und mit dem Personal der Fürstlichen Domäne wiederaufbauen. Haydn benutzt diese glückliche Wendung dazu, das Haus um ein Zimmer zu erweitern. Hierfür hat er allerdings 50 Gulden an die Fürstliche Generalkassa abzuführen. Bei dem neu errichteten Zimmer handelt es sich offensichtlich um den letzten großen Raum im Obergeschoß des Hauses, der auf ein bereits bestehendes Gewölbe aufgesetzt wird. Erst einer der Nachbesitzer Haydns schließt die noch bestehende Lücke zur Stadtmauer hin mit dem Anbau des schmalen Querflügels, der der Hinterfront des Gebäudes bildet.
Der Brand ist sowohl aus Haydns biographischer als auch aus musikgeschichtlicher Sicht als folgenschwer anzusehen, da eine Reihe von Manuskripten mit dem Haus den Flammen zum Opfer fällt und Lücken im Werkverzeichnis des Komponisten hinterlässt.
Der zweite Brand vom 17. Juli 1776 fordert neben den beiden Klöstern in der Klostergasse wieder 104 Häuser der Freistadt, unter ihnen abermals das Haus Haydns. Diesmal allerdings ist der Schaden wesentlich geringer: Er wird in einer Konskription über die Aufteilung eines Königlichen Darlehens von fünfzehntausend Gulden an die "Abbrändler" im Falle Haydns mit 363 Gulden beziffert. Haydn erhält aus dem Darlehen nichts, denn abermals ersetzt der Fürst den Schaden.
Bei einer Innenrestaurierung im Jahr 1994/95 durch das Österreichische Bundesdenkmalamt stellt sich heraus, dass die vorderen Wohnräume etwa dieselbe Schichtenanzahl von Farbanstrichen besitzen wie der hintere große Raum des Anbaues. Haydn lässt wohl nach dem großen Brand von 1768 alle Räume seines Hauses von Grund auf abscheren und neu ausmalen, so dass mit 1768 für die Innenausstattung des Haydn-Hauses sozusagen das "Jahr Null" anzusetzen ist.

Nachbarschaftlicher Ärger

Die beiden Brände sind indirekt Ausgangspunkt für einigen Ärger, der Haydn aus Streitfällen mit seinen beiden Nachbarinnen erwächst. Das Haus Nr. 81 – jenes Haus, das mit dem Haydns einen gemeinsamen Innenhof besitzt – ist im Besitze der Weißgerberswitwe Magdalena Frumwaldin. Auf der anderen Seite in Nr. 83 wohnt Frau Theresia Spächin, die Witwe des fürstlichen Beamten Georg Späch. Beim Wiederaufbau des Haydnschen Hauses stützt man auf der gemeinschaftlichen Feuermauer, die Haydns Hof von dem der Frau Frumwald trennt, die Dachung des Haydnhauses ab. Nachdem Frau Frumwald im Frühjahr 1769 durch Entfernen der Stütze – um halb fünf Uhr Früh – das Dach von Haydns Haus zum Einsturz bringt, klagt das Ehepaar Haydn die Nachbarin. Nach einer amtlichen Begehung wird entsprechend eines umfangreichen Senatsprotokolls vom 29. April schlussendlich ein Vergleich zwischen den streitenden Parteien erzielt. Demnach wird die Trennmauer für gemeinschaftlich erklärt und beiden Parteien untersagt, auf den von ihnen errichteten Teilen "aufzubauen". 1773 begehrt Haydn beim Rat der Stadt einen Revers, da Frau Frumwaldin entgegen dem seinerzeitigen Vergleich auf "ihrem" Teil der Mauer aufgebaut habe. 1776, unmittelbar nach dem zweiten Brand, wird Haydn seinerseits von der Besitzerin des Hauses Nr. 83, Frau Theresia Spächin, geklagt, weil der Wiederaufbau zu einer "nachteiligen Dachung" für ihr eigenes Haus geführt hätte. Dieser Streit ist jedoch offensichtlich geringerer Natur.

Anfang der siebziger Jahre bessert sich die finanzielle Situation Haydns ein wenig. Nachdem er mit seiner Frau nur das Obergeschoß bewohnt, bringt er im Erdgeschoß seit dem Tod von Frau Schleicher seine jeweiligen Schüler unter. Über Vermittlung des Grafen Ladislaus Erdödy nimmt der Komponist von 1772 bis 1777 den aus Niederösterreich stammenden Ignaz Pleyel (1757–1831), der später im revolutionären und kaiserlichen Frankreich eine fulminante Karriere durchlaufen sollte, als Kostgänger und Schüler auf. Der Graf bezahlt ihm hiefür ein Jahrgeld von 100 Louisdors.
Für diesen und andere Schüler, vor allem aber auch für den Esterházyschen Kopisten Johann Elssler, ist die untere Etage des Wohnhauses reserviert. Bei dem ungeheuren Bedarf des fürstlichen Dienstherrn an neuer Musik ist es unumgänglich, einen Kopisten in Reichweite zu haben. Haydns Wohnhaus ist folglich nie ein reines Privathaus, sondern auch eine Art "Manufaktur Haydn".

Verkauf

Nachdem Nikolaus I. im Jahr 1762 regierender Fürst wird, beschließt er, sein Schlösschen in Süttör am Südufer des Neusiedler Sees in seine neue Residenz umzubauen – Schloss Eszterháza. Im Jahre 1768 ist der Bau des Operntheaters und der Musikerunterkünfte fertig. Durch den ab 1776 eingeführten durchgängigen saisonalen Opernbetrieb von Februar bis November verlagert sich der Mittelpunkt von Haydns dienstlich-künstlerischem Lebensinteresse gezwungenermaßen dorthin. Tatsache ist nunmehr, dass Joseph Haydn das private Anwesen aus dienstlichen Gründen nicht mehr benötigt. Mit dem "Hauß Kauff Contract" vom 27. Oktober 1778 verkauft er das Grundstück und alle zugehörigen Liegenschaften um den "Kauffschilling" von 2000 Gulden an den fürstlichen Buchhalter Anton Lichtscheidl. Das Ehepaar Haydn hat ab diesem Zeitpunkt bis 1790 seinen Hauptwohnsitz im Musikerhaus von Eszterháza.

Nach Haydn

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts sind Eisenstädter Bürger Nachfolger Haydns als Besitzer des Hauses. Eine erste Würdigung als Gedenkstätte erfolgt kurz vor der Jahrhundertwende durch den Eisenstädter Männergesangsverein, der 1898 eine Gedenktafel mit folgendem Text widmet "Dem unsterblichen Mitbürger, den sein schöpferischer Geist aus diesen engen Mauern unter die Großen der Welt erhob. Eine weitere Gedenktafel folgt 1923: "In diesem Hause wohnte und wirkte Josef Haydn. 1766–1778".
Anlässlich des 200. Geburtstages Joseph Haydns zeigt Sandor Wolf 1932 in seinem Privatmuseum eine "Haydn-Gedächtnisausstellung" aus seinen eigenen Beständen. Im Juni 1935 gelingt es dem 1925 gegründeten Burgenländischen Heimat- und Naturschutzverein, der sich eine breite Sammlung aller natur- und kulturhistorischen Denkwürdigkeiten des Burgenlandes zum Ziel gesetzt hat, drei Zimmer im Hoftrakt des Haydnschen Wohnhauses anzumieten, um darin ein ständiges Haydn-Museum einzurichten. Der Eisenstädter Stadtrat und Zimmermeister Karl Kritsch, Gründungsmitglied und Vereinsobmann, zudem auch als Landeskonservator des Burgenlandes tätig, gilt auf diese Weise als Schöpfer des Eisenstädter Haydn-Museums. Nach dem Zweiten Weltkrieg geht das Haus zusammen mit den verschiedenen Sammlungen in das Eigentum des Landes Burgenland über. In den siebziger Jahren wird das Gebäude nach und nach zu einer ausschließlich Haydn gewidmeten musealen Gedenkstätte umgestaltet.
Die Erwerbung des benachbarten Frumwaldhauses im Mai 1998 durch die Internationale Joseph Haydn-Privatstiftung Eisenstadt ermöglicht nicht nur eine räumliche Erweiterung der Sammlung, sondern löst auch eine Neugestaltung aus. Der Grundgedanke dabei ist es, das Museum mit moderner Ausstattung zu versehen und der Gedenkstätte eine Präsentationsform zu verleihen, die modernen Standards entspricht.
In den neu gewonnenen Ausstellungsräumen finden seit 1998 alljährlich Sonderausstellungen ergänzend zur Dauerausstellung des Haydn-Hauses statt.
Der Gesamtkomplex wird seit 16. 12. 2009 von der Kultur-Service Burgenland betreut.
Das Haydn-Haus erhielt 2008 das Museumsgütesiegel des Internationalen Museumsrates (ICOM). Die Verleihung des Museumgütesiegels fand bei einer feierlichen Zeremonie im Wiener Kunsthistorischen Museum statt.
Anlässlich des Haydn-Jahres 2009 wurde – auch um den Anforderungen internationaler Leihgeber gerecht zu werden - erneuet „aufgerüstet“. Die gesamte Inneneinrichtung wurde saniert und Klimageräte und Raumzirkulation installiert. Daneben haben die Betreiber vor allem in neue Sicherheits- und Brandschutztechnik investiert. Besondere Anstrengungen wurden im Haydn-Schlafzimmer unternommen, wo  die ursprünglichen Wand- und Deckenverzierungen behutsam rekonstruiert wurden.